Fortbildung

Die folgenden Ausführungen geben einen kurzen Überblick über die Ziele und Inhalte sowie über organisatorische und formale Aspekte unserer berufsbegleitenden zweijährigen Fortbildung in Sexualmedizin und Sexualtherapie.

 

Bedarf und Ziele


Die Behandlung sexueller Probleme und Störungen ist eine wichtige und interessante Herausforderung nicht nur für die Psychotherapie (vgl. u. a. Hartmann, im: Psychotherapeutenjournal 4/2006, S. 353): Sexuelle Störungen kommen sehr häufig vor und haben negative Effekte sowohl auf das persönliche Befinden als auch auf die partnerschaftliche Zufriedenheit; es bestehen noch deutliche Versorgungsdefizite und dementsprechend hohe Nachfragen nach kompetenter Behandlung. Für sexuelle Störungen haben wir in Hannover einen wirksamen Therapieansatz entwickelt. Diese moderne Sexualtherapie versteht sich mit ihrem bio-psycho-­sozialen Ansatz als integrative Therapie und stellt eine sinnvolle und attraktive Ergänzung des somatischen und psychotherapeutischen Wirkspektrums dar.

 

Qualifikationsziele


Vorrangiges Ziel ist die Qualifikation der FortbildungsteilernehmerInnen in der Behandlung sexueller Funktionsstörungen und in der Paartherapie. Darüber hinaus werden therapeutische Qualifikationen bei behandlungsfähigen Störungen der Sexualpräferenz und der psycho- therapeutischen Behandlung und Begleitung von Personen mit gestörter Geschlechtsidentität vermittelt. Begutachtung und Behandlung von Sexualstraftätern (delinquentes Sexualverhalten) ist nicht Gegenstand der Fortbildung.
Dabei sollen vor allem Fertigkeiten in folgenden Bereichen vermittelt werden:

  1. Kompetenz in der Erkennung sexueller Konflikte und Störungen
  2. Gesprächsführung bei sexuellen Problemen
  3. Diagnostische Kompetenz
  4. Vermittlungs- und Überweisungskompetenz
  5. Sexualberatung
  6. Behandlungskompetenz bei sexuellen Störungen

 

Konzept und Inhalte der Fortbildung


Die Fortbildung weist theoretische und praktische Anteile auf, die weitgehend parallel zueinander über die gesamte Fortbildungsdauer zu absolvieren sind. Die Fortbildung erstreckt sich über mindestens 180 Stunden, davon 100 Stunden Theorie, mindestens 50 Stunden Supervision der praktischen Tätigkeit und mindestens 30 Stunden themenzentrierte Selbsterfahrung. Die Fortbildung erfolgt in einem Zeitraum von mind. 2 Jahren (berufsbegleitend).
Die theoretischen Anteile sind in folgende Themenblöcke bzw. Module aufgeteilt:

  • Grundlagen menschlicher Sexualität (20 Stunden)
  • Störungsbilder (30 Stunden)
  • Sexualtherapeutische Fertigkeiten und Methoden (50 Stunden).

Die praktischen Anteile bestehen aus der themenzentrierten Selbsterfahrung, die bald nach dem Start der Fortbildung initiiert werden sollte, sowie aus der supervidierten eigenen sexualtherapeutischen Tätigkeit, deren Beginn in der Regel erst nach ca. 4-6 Monaten sinnvoll ist.

 

Formale Voraussetzungen, Organisation und Kosten


Die Teilnahme an der Fortbildung setzt grundsätzlich die Approbation als Psychologische/r Psychotherapeut/in, Kinder- und Jugendlichen- psychotherapeut/in oder Arzt/Ärztin oder eine vergleichbare heilkundliche Erlaubnis oder Ausbildung voraus. Bei Interessierten aus den Berufsfeldern der psychosozialen Beratung oder Sozial-/Heilpädagogik erfolgt die Aufnahme in die Fortbildung nach Bewertung der individuellen Voraussetzungen.

Die Aufnahme in die Fortbildung erfolgt unter fachlichen Gesichtspunkten nach einem Eingangsinterview mit Dozenten des LiSS, für das eine Anmeldegebühr von 150,- € erhoben wird. Für die Anmeldung zum Abschlusskolloquium und für die Zertifizierung durch das LiSS bzw. die DGSMTW wird eine Gebühr von 200,- € erhoben.
Voraussetzung für die Anmeldung zum Abschlusskolloquium ist der Nachweis mind. 10 supervidierter und in Form einer verschriftlichten Sexualanamnese dokumentierter Erst- bzw. Beratungsgespräche (Einzel- und Paargespräche), entweder als Einzel- oder als Gruppensupervision, sowie der Nachweis mind. 40 dokumentierter sexualtherapeutischer Behandlungssitzungen (3-4 Behandlungsfälle), die im Verhältnis von 4:1 supervidiert werden, davon mindestens 1 Fall in Einzelsupervision und mind. 1 Paarbehandlung.

Der erfolgreiche Abschluss der Fortbildung wird mit einem Qualifikationsnachweis des Fortbildungsträgers bescheinigt. Von der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen (PKN) wird nach Vorlage dieses Qualifikationsnachweises der ankündigungsfähige Titel „Sexualtherapeut/-in / PKN“ verliehen. Voraussetzung dafür ist die Mitgliedschaft des / der Fortbildungsteilnehmers/-in in der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen.

Die Kosten der Fortbildung setzen sich aus verschiedenen Anteilen zusammen:
Die Kosten für den Theorieteil mit insgesamt 100 Std. über zwei Jahre belaufen sich ab 01.01.2014 auf 2.200,- €. Die Kosten für den praktischen Teil richten sich nach dem Anteil an Einzel- und Gruppenselbsterfahrung bzw. –supervision. Insgesamt ergibt sich ein Kostenrahmen für die Fortbildung zwischen 5.000,- bis 7.500,- €. Dem stehen Einnahmen im Praxisteil der Fortbildung gegenüber.

 

Curriculum über zwei Jahre (Theorie)


Grundlagen (20 Stunden):

  1. Bio-psycho-soziale Aspekte der sexuellen Entwicklung über die gesamte Lebensspanne (8 Std.)
  2. Sexuelle Gesundheit vs. Störungsfaktoren (Vulnerabilitäten) der Sexualität (6 Std.)
  3. Männliche, weibliche und partnerschaftliche Sexualität (6 Std.)

Störungsbilder (30 Stunden):

  1. Klassifikation/ Nosologie sexueller Störungen (6 Std.)
  2. Epidemiologie männlicher und weiblicher Sexualstörungen (6 Std.)
  3. Ätiologie sexueller Funktionsstörungen, Störungsmodelle (6 Std.)
  4. Sexuelle Verhaltensabweichungen, Störungen der Geschlechtsidentität, Transsexualität, Störungen der sexuellen Präferenz (4 Std.)
  5. Komorbidität sexueller Störungen und spezifische Vulnerabiltät der Sexualität: Onkologie, sexuell übertragbare Krankheiten, Infertilität, Schwangerschaft, Geburt u. a. (8 Std.)

Sexualtherapeutische Basisfertigkeiten und Behandlungsmethoden (50 Stunden):

  1. Die sexualmedizinische/ -therapeutische Sprechstunde (6 Std.)
  2. Sexualanamnese I und II (8 Std.)
  3. Sexualberatung/ Das Paarsetting (8 Std.)
  4. Sexualtherapie I (12 Std.)
  5. Sexualtherapie II (12 Std.)
  6. Die Behandlung sexueller Präferenz- und Identitätsstörungen (4 Std.)

Die Theorieveranstaltungen finden i.d.R. an einem Samstag ca. 8x in einem Jahr statt.
Das LiSS ist bemüht, Möglichkeiten zu themenzentrierter Selbsterfahrung und Supervision in Zusammenhang mit den Theorieveranstaltungen anzubieten, um hier den zeitlichen und Kostenaufwand für die Teilnehmer zu reduzieren.

Teilnehmer, die ein sexualmedizinisches Basiscurriculum durchlaufen haben, müssen die Module, die sie dort evtl. bereits abgedeckt haben, nicht wiederholen.